StrahlenschutzKOMPAKT

"Strahlung beim Fliegen"

"Inkorporation radioaktiver Stoffe"

"Radioaktive Stoffe in Lebensmitteln"

FAQ

Was für natürliche Strahlung gibt es?

Ist die Strahlenart von natürlichen und künstlichen Radionukliden unterschiedlich?

Wieviel Radioaktivität enthält der Erdboden?

Wie gross ist die Radioaktivität in unserem Körper?

Ask the Expert

"Grenzwerte für Schwangere beim Fliegen"

Frage:

Ich bin in der 7. Woche schwanger und hatte bereits vor der Entdeckung der Schwangerschaft eine Reise gebucht. Es handelt sich hierbei um ein Flugticket für Norwegen, welches binnen 14 Tagen so viele Flüge Inlands wie gewünscht ermöglicht. Der aktuelle Plan sieht auch etwa 14 Kurzstreckenflüge vor. Ich habe mich nun erkundigt und in Broschüren des Bundesamts für Strahlenschutz nach Schwellenwerten und Strahlendosen gesucht.

(https://www.bfs.de/SharedDocs/Downloads/BfS/DE/broschueren/ion/stko-schwangerschaft.pdf?__blob=publicationFile&v=8)

Ich würde sie nun bitten mir zu sagen, ob ich es korrekt verstanden habe:

Der Schwellenwert bis zur 10.SSW liegt bei einer Gesamtdosis von 50-100 Millisivert. 

Ein Flug von etwa 1500km hat eine Strahlendosis von etwa 0,01 Millisivert. Demnach dürfte ich 5000 mal diese Strecke fliegen ohne den Embryo zu schädigen?!

Wenn die Höhenstrahlung so „ungefährlich“ ist, warum dann dieses häufig in verschiedenen Quellen zu findende Flugverbot im 1. Trimester? Liegen diese Quellen alle falsch?

Antwort:

Sie haben gut recherchiert. Alle Ihre Angaben entsprechen etwa dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft. Vielleicht darf ich noch folgende Ergänzungen hinzufügen: Wir kennen im Grundsatz zwei biologisch unterschiedliche Wirkungsmechanismen. Zum einen kann Strahlung zu geweblichen Schäden in einem Organ oder einem Organismus führen, die zum Absterben, zu Funktionsverlust oder zu Funktionseinschränkungen des betreffenden Gewebes führen. Zu dieser Klasse von Strahlenwirkungen (die deswegen auch "gewebliche Effekte" heißen) gehören auch pränatale Schäden am Embryo oder Fötus. Die Folgen können Tod des Embryos oder Föten sein, oder Miss- und Fehlbildungen, Wachstumsstörungen oder andere funktionelle Störungen. Wichtig dabei ist, dass es für diese Art von Wirkungen eine Schwellendosis gibt, unterhalb derer eine Wirkung vollkommen ausbleibt. Die Schwellendosen für diese Effekte liegen in dem von Ihnen genannten Bereich etwa bei 100 mSv (Millisievert). Auch Ihre Beispiele mit der Dosis beim Fliegen so etwa bei 0,01 mSv sind allesamt korrekt. Also sind oben beschriebene "gewebliche Effekte" durch Fliegen in jedem Fall ausgeschlossen.
Strahlung kann aber auch Krebs und genetische Schäden hervorrufen. Diese Schäden werden "stochastische Effekte" genannt. Für diese Art von Schäden sind keine Schwellendosen bekannt. Mit der Dosis steigt allgemein das Risiko, also die Wahrscheinlichkeit dafür, irgendwann im Leben an Krebs zu erkranken. Dies trifft für alle Menschen zu, allerdings für Kinder etwa 3mal mehr und für Embryos etwa 9mal mehr als für Erwachsene. Dennoch bleibt das Risiko bei den Dosiswerten, die beim Fliegen auftreten, extrem klein. Ein guter Vergleichsmaßstab ist die Dosis, der alle Menschen (auch Kinder und Embryos) durch die natürliche Umgebungsstrahlung ausgesetzt sind (etwa 2 mSv pro Jahr). Ein Flug mit 0,01 mSv bedeutet also genauso viel (zusätzliches) Strahlenrisiko wie das Leben auf dem Erdboden an zwei Tagen. Das trifft in gleicher Weise für Erwachsene, Kinder und Embryos zu. Das Strahlenrisiko ist also nicht Null, aber sehr klein (genauso wie das Flugrisiko generell).
Der Umstand, dass manche ein Flugverbot für Schwangere im 1. Trimester fordern, stützt sich nicht auf strahlenbiologische Erkenntnisse, sondern wird mit allgemein höherem medizinischen Risiko beim Fliegen begründet.

"Radioaktivität in Biofarben"

Frage:

(Daniela Hardt, 29.10.2018)

Wir möchten die Zimmer unserer Töchter (Allergiker) mit Biofarben streichen. Der Herr im Biofarbenladen sagte uns, dass die Farben auf mineralischer Basis hergestellt werden. Jetzt frage ich mich, ob man sich hier bezüglich potenzieller radioaktiver Strahlung Gedanken machen muss. Man hört ja oft, dass verschiedene Gesteine und Mineralien radioaktiv strahlen und Farbpigmente aus Silikaten kommen ja auch dazu. Können Sie mir hier Entwarnung geben?

Antwort:

(Dr. Klaus Flesch, Sekretär des Arbeitskreises Natürliche Radioaktivität, 08.11.2018)

In Gesteinen und Mineralien sind üblicherweise die natürlichen Radionuklide der Uran-238- und Thorium-232-Zerfallsreihen enthalten. In Mineralfarben findet man Kalk oder Quarz als Bindemittelbasis sowie farbgebende Zusatzstoffe aus chemisch reinen Elementen, die nicht radioaktiv sind (z. B. Titan, Zink, Eisen). Auf Grund der Reinheit bzw. zur Vermeidung von Farbänderungen innerhalb eines Produktes sind "Verunreinigungen" durch andere chemische Elemente und somit auch durch die o.g. natürlichen Radionuklide als sehr vernachlässigbar einzustufen. Eine gesundheitliche Gefährdung durch Mineralfarben auf Grund einer signifikanten Radioaktivität ist somit nicht vorhanden.