Die Arbeitskreise – Basis des Fachverbandes für Strahlenschutz

Ein Resümee

Das Schwerpunktthema in diesem Heft 3 der SSP hat den Blick auf die Arbeit aller Arbeitskreise gerichtet. Von den 14 Arbeitskreisen des Fachverbandes für Strahlenschutz (FS) haben sich 11 mit Beiträgen beteiligt. Sie geben Einblicke in die aktuelle Arbeit des jeweiligen Arbeitsgebietes und teilweise auch auf seine Entwicklung über Jahrzehnte.

„Wird ein Strahlenschutzkurs auch zukünftig ‚kontaktlos‘ stattfinden?“ So fragt Jan-Willem Vahlbruch, der Sekretär des AKA, nach den durch die Pandemie erzwungenen Änderungen bei Strahlenschutzkursen. Sein Fazit fällt zuversichtlich aus: „So anstrengend das letzte Jahr 2020 auch war – wir sind alle gezwungen worden, Neues zu lernen und auszuprobieren. Manches davon wird bleiben, anderes nicht.“

Ein anderes Problem in der Aus- und Fortbildung des wissenschaftlichen und technischen Nachwuchses bei der Neutronenanwendung schildern Nico Bernt, Rico Hübscher und Carsten Lange. Sie stellen fest, dass der Fortbestand der ausgezeichneten Kompetenz im Bereich der Methoden der Neutronenstreuung in Deutschland zu einer ernsthaften Herausforderung geworden ist.

Von der Erfassung und Auswertung von Vorkommnissen bei der Beförderung radioaktiver Stoffe im Zeitraum 1995 bis 2019 schreibt Annegret Günther aus dem Arbeitsbereich des AKB. Sie folgert, dass Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheitskultur bei der Beförderung radioaktiver Stoffe notwendig sind.

Mit „Radioaktivität versus Recycling – 3 Beispiele und einige Fragen“ beleuchtet Rainer Gellermann aktuelle Messprobleme aus dem Bereich von AKE und AKNAT.

Der Bericht vom Jubiläum des Arbeitskreises Inkorporation „50 Jahre Inkorporationsüberwachung im Fachverband für Strahlenschutz – Historie und ‚Was bringt die Zukunft?‘“ von Martina Froning und Clemens Scholl, Vorsitzende (Sekretär) und Stellvertreter des AKI, und vom Sekretär des AKP, Rolf Hellhammer, zeichnet eine stolze Entwicklungsgeschichte auf. „Die rege Beteiligung an der Jubiläumssitzung und die Diskussionen der Vorträge zeigen, dass die Arbeit im AKI auf dem richtigen Weg in die Zukunft ist.“ So das Fazit.

Gerd Koletzko, der stellvertretende Sekretär des AKMed, stellt die neue Fachkunderichtlinie zur Ausbildung von Medizinphysikexperten (MPE) vor. Der Einsatz von fachkundigen MPE in diversen Bereichen der medizinischen Strahlenanwendung bringe erhebliche Verbesserungen im Vergleich zu den bisherigen Regelungen.

Mit „Leitfäden zur nichtionisierenden Strahlung – eine Erfolgsgeschichte“ nimmt der Sekretär des AKNIR, Hans-Dieter Reidenbach, sein Fazit bereits in den Titel seines Beitrages. Die Mittlerrolle über die Leitfäden zwischen Experten und Expertinnen der Fachwelt untereinander, aber auch hin zur Öffentlichkeit ist nicht hoch genug einzuschätzen.

Einen kritischen Blick auf die Dosisrichtwerte in Deutschland werfen Detlef Brautmeier und Bernd Lorenz, der Sekretär des AKR. In ihrem Beitrag kommen sie zu dem versöhnlichen Schluss: „Die unnötige Erfindung der Dosisrichtwerte durch ICRP und deren Einzug in die IAEA- BSS und die EU-BSS wurde durch die clevere Umsetzung in der neuen StrlSchV korrigiert. Hier muss man dem Gesetzgeber ein Kompliment machen.“

Von einem weiteren Arbeitsjubiläum kann Rolf Michel, der Sekretär des AKSIGMA, berichten. Seit 1981 befasst sich der AKSIGMA mit Messunsicherheiten und der Berechnung charakteristischer Grenzen wie der Erkennungsgrenze, der Nachweisgrenze und Grenzen von Vertrauensbereichen. Dazu begleitend hat der AKSIGMA auch Normen erarbeitet. „Und trotzdem sind auch ganz praktische, immer noch nicht beantwortete Fragen zu nennen.“ Diese beschäftigen den AKSIGMA auch in der Zukunft.

Das Autorenteam aus dem AKU mit Daniel Lienhard, Thomas Steinkopff, Christoph Wilhelm, dem Sekretär des AKU, und Daniel Zapata-Garcia gibt einen Überblick über die „Überwachung der Umweltradioaktivität – Radionuklide in der Luft“. Dazu werden Messmethoden und Messergebnisse diskutiert mit dem Fazit: „Die einfache Sammlung auf einem Filter mit anschließender Auswertung in einem Labor ist die Methode, die seit Anbeginn der Überwachung von Radionukliden in der Luft auch heute noch zur Beweissicherung eingesetzt wird.“

In einem Fachbeitrag zum Schwerpunkt wird aus dem Bereich des AKE durch Clemens Walther ein neuer Weg der Forschung dargestellt. In „Wissenschaft und Zivilgesellschaft: gemeinsame Forschung zur Entsorgung hoch radioaktiver Abfälle – das Verbundvorhaben TRANSENS“ wird transdisziplinäre Begleitforschung zur Endlagerung hoch radioaktiver Abfälle in Deutschland beschrieben und positiv bewertet.

Und den Weg des Strahlenschutzes in der Zukunft will Hansruedi Völkle mit seinem Plädoyer für „Ein Ampelmodell zur Optimierung im Strahlenschutz“ beeinflussen. Er diskutiert die Umsetzung dieses Ampelmodells im Strahlenschutz und begründet die vorgeschlagenen Toleranz- und Akzeptanzschwellen.

Mein Fazit

Die alphabetisch aufgeführten Berichte zu den Arbeitsgebieten der AKs von AKA bis AKU und die 2 Fachbeiträge zeigen wieder die Vielfalt der Kompetenz im Fachverband für Strahlenschutz, die durch seine Mitglieder garantiert wird. Der Erfahrungsschatz, der sich im Laufe der Entwicklung des FS aufgebaut hat, wird ständig erweitert und aktualisiert. Wichtig bei allen Aktivitäten des FS war, ist und bleibt das Ziel, die Aus- und Weiterbildung im Strahlenschutz zu sichern, um die „Zukunft des Strahlenschutzes“ mitzugestalten.

Dies geschieht nach dem Leitmotiv des Fachverbandes für Strahlenschutz e. V.:

„Mit fundiertem Fachwissen setzen wir uns beständig ein für den Schutz von Mensch und Umwelt vor Gefährdungen durch Strahlung in Medizin, Forschung, Industrie und bei natürlichen Strahlenquellen“.

Bärbl Maushart