Beförderung radioaktiver Stoffe: früher – heute – zukünftig! Ein Resümee

Die vorliegenden Beiträge zeigen übereinstimmend, dass die Vorschriften bei der Beförderung radioaktiver Stoffe eine dominierende Rolle spielen. Diese Vorschriften gehen maßgeblich auf die „Regulations for the Safe Transport of Radioactive Material“ der IAEA (Transport Regulations) zurück, die seit über 60 Jahren ein hohes Maß an Schutz und Sicherheit bei der Beförderung radioaktiver Stoffe gewährleisten. Die Anforderungen der „Transport Regulations“ werden in kaum veränderter Form über die „Model Regulations“ der UN (Orange Book) in alle verkehrsträgerspezifischen Vorschriften (ADR/RID/ADN, ICAO-TI, IMDG Code) übernommen. Dieses international harmonisierte Regelwerk ist die Voraussetzung für die Durchführung grenzüberschreitender Beförderungen.

Ein zentrales Element der „Transport Regulations“ ist die Sicherheit der Verpackung, an die gemäß den Prüfbedingungen (u. a. Fallversuche) hohe Anforderungen bis hin zur Unfallsicherheit gestellt werden.

Wenn keine unfallsicheren Verpackungen vorgeschrieben sind, sind zusätzlich zu den Verpackungen die Mengen an radioaktivem Material über die Aktivitäten so begrenzt, dass von dem Material selbst keine größere Gefahr für Mensch und Umwelt ausgehen kann.

Die Klassifizierung, die Verpackungsauswahl und das Verpacken des Gefahrguts werden in die Verantwortung des Absenders bzw. des Verpackers gestellt, die durch ihre Vorarbeit die Einhaltung der Schutzziele sicherstellen. Es ist Teil des Konzepts, dass der Beförderer auf diese Vorarbeit und damit die Sicherheit des verpackten Gefahrguts vertrauen darf. Dadurch wird die Möglichkeit eröffnet, dass bei der eigentlichen Beförderung von radioaktiven Stoffen auf die komplette Gefahrgutinfrastruktur zugegriffen werden kann.

Im Gegensatz zu dem ursprünglichen Konzept, alle wesentlichen Beförderungsanforderungen in den „Transport Regulations“ zu regeln, hat die IAEA parallel dazu inzwischen Beförderungsanforderungen auch in anderen Dokumenten definiert, die die Bereiche Strahlenschutz, Notfallschutz und Sicherung betreffen. Im Gegensatz zu den „Transport Regulations“ werden die dort niedergelegten Anforderungen von den Mitgliedsstaaten in unterschiedlicher Weise in die nationalen Gesetzgebungen umgesetzt. Absender und Beförderer müssen für internationale Beförderungen daher zusätzlich zahlreiche nationale Regelwerke beachten. Vielfältige und teilweise konkurrierende Regelungen führen dabei nicht zwingend zu einer Erhöhung der Sicherheit.

Die angesprochene unterschiedliche nationale Umsetzung untergräbt das harmonisierte internationale Gefahrgutregelwerk und führt vermehrt zu fehlender Akzeptanz von radioaktiven Stoffen bei Beförderern. Die Auswirkungen sind bereits heute spürbar, da nur noch wenige spezialisierte Beförderer für internationale Beförderungen zur Verfügung stehen. Fehlende Akzeptanz bei Betreibern von Umschlaghäfen erschwert zusätzlich die Routenplanung von internationalen Beförderungen. In der Konsequenz geht die Entwicklung dahin, dass nicht mehr auf die komplette Gefahrgutinfrastruktur zugegriffen werden kann, sondern mehr und mehr eine eigene Infrastruktur für die Beförderung radioaktiver Stoffe aufgebaut und unterhalten werden muss. Die Problematik wurde auf Initiative der „Transport Facilitation Working Group“ der „World Nuclear Association“ mit einer Resolution auf der letzten „General Conference“ der IAEA bereits adressiert.

Das Thema wird mit einem "Technical Meeting" und mit der Erarbeitung eines "Code of Conduct" in diesem Jahr auf internationaler Ebene weiterverfolgt.

Der Arbeitskreis Beförderung (AKB) als der auf Beförderung radioaktiver Stoffe spezialisierte Arbeitskreis im Fachverband für Strahlenschutz ist aufgrund der dominierenden Rolle der Vorschriften in diesem Bereich aktiv bei der Kommentierung und Stellungnahme zu Änderungen des gefahrgutrechtlichen Regelwerks. Diese Arbeit nimmt einen breiten Raum ein. Der AKB bemüht sich jedoch nach Kräften, auch den praktischen Aspekten der Beförderung und des Strahlenschutzes genügend Zeit einzuräumen.