Unsere Welt ist voller Strahlung – und das Wissen um die vielen Formen der Strahlung, die wir bedenkenlos nutzen oder vor denen wir uns fürchten, ist im hohem Maße unterschiedlich. Das Direktorium des FS hat daher beschlossen, jährlich eine spezielle Strahlungsform als „Strahlung des Jahres“ zu benennen, um damit ihre Rolle in unserer modernen Gesellschaft, ihre Risiken und ihre Bedeutung für den Strahlenschutz ins Rampenlicht zu rücken.
Motivation und Zielstellung (Mai 2025)
Die bisherigen Strahlungen des Jahres des Fachverbands für Strahlenschutz
Strahlung des Jahres 2026 -UV-Strahlung-

Ultraviolette Strahlung (UV-Strahlung) begleitet uns als Teil der Sonnenstrahlung ein Leben lang. Sie ist elektromagnetische Strahlung im Wellenlängenbereich zwischen der Röntgenstrahlung und der sichtbaren optischen Strahlung (Licht). Die Wellenlänge der UV-Strahlung liegt zwischen 100 Nanometern und 400 Nanometern.
Entdeckt wurde die UV-Strahlung im Jahr 1801 von Johann Wilhelm Ritter. Er spaltete das Sonnenlicht mit einem Prisma auf und nutzte Silberchlorid, das sich unter dem Einfluss von Licht schwarz färbt. Außerhalb des violetten Bereichs des Lichts verfärbte sich das Silberchlorid jedoch besonders stark. Es musste also auch in diesem Bereich eine Strahlung geben, die nicht sichtbar ist und die wir heute als ultraviolette Strahlung bezeichnen.
Neben der Sonne als natürliche Quelle der UV-Strahlung, gibt es viele Möglichkeiten, künstlicher UV-Strahlung zu begegnen. Die bekannteste ist vermutlich das Solarium, doch auch in vielen technischen und medizinischen Anwendungen und auch in der Forschung kommt UV-Strahlung zum Einsatz, z. B. bei Untersuchungen mit fluoreszierenden Farbstoffen, der Phototherapie, bei der Desinfektion, der Materialhärtung von Kunststoffen und Lacken sowie als ungewolltes Nebenprodukt bei Schweißprozessen.
Heute wissen wir, dass UV-Strahlung, unabhängig davon, ob sie von der Sonne oder einer künstlichen Quelle kommt, Haut und Augen schädigen und Krebs auslösen kann. Die Zahl von Hautkrebserkrankungen ist in den letzten Jahrzehnten massiv angestiegen. Eine der besonders betroffenen Personengruppe sind u. a. Beschäftigte, die im Rahmen ihrer Tätigkeit regelmäßig im Freien arbeiten. Die Berufskrankheit „Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung“ wurde im Jahr 2015 in die Liste der anerkannten Berufskrankheiten aufgenommen. Zum Schutz der Bevölkerung sowohl im privaten als auch beruflichen Bereich vor den Folgen der UV-Strahlung bedarf es daher fundierter Informationen über die individuelle Belastung durch UV-Strahlung sowie leicht verständlicher Informationen zu möglichen Schutzmaßnahmen und eine Sensibilisierung, diese auch anzuwenden.
UV-Strahlung ist also nicht nur eine natürliche Erscheinung, sondern ein bedeutender Faktor in Wissenschaft, Medizin und Technik – mit Chancen und Risiken.
Bildquelle: commons.wikimedia.org/wiki/file:Johann_Wilhelm_Ritter.jpg
Veranstaltungen und interessante Links
- „Strahlung des Jahres 2026“: Die Entdeckung und Anwendung der UV-Strahlung - ein wissenschaftsgeschichtliches Symposium
wo: Rosensäle der Friedrich-Schiller-Universität Jena
wann: 21. Februar 2026 - Universitätsnachrichten Universität Jena
Strahlung des Jahres 2025 - Gammastrahlung -

Paul Ulrich Villard (1908)
Quelle: Wikimedia Commons
Gammastrahlung ist eine besonders durchdringende elektromagnetische Strahlung, die nach dem radioaktiven Zerfall eines Atomkerns z.B. über den Alpha- oder Betazerfall entsteht. Sie wurde im Jahr 1900, also vor 125 Jahren, von dem französischen Physiker und Chemiker Paul Ulrich Villard (28.09.1860-13.01.1934) entdeckt.
Bei der Untersuchung der Eigenschaften von Radium stellte er fest, dass es einen magnetisch nicht ablenkbaren Anteil der vom Radium ausgehenden Strahlung gibt. Da dieser Anteil auch Aluminium- und dünne Bleiplatten durchdringen konnte, stellte er diese Strahlung als neue Strahlung vor, neben der bereits von Becquerel, den Eheleuten Curie und Rutherford beschriebenen Alpha- und Betastrahlung. Obwohl Villard die Ergebnisse seiner Experimente richtig interpretierte und damit die neuen Strahlen entdeckte, wurde seine Entdeckung von der wissenschaftlichen Gemeinschaft zunächst weitgehend ignoriert. Erst im Jahre 1903 erfolgte eine erste namentliche Benennung dieser neuen Strahlen als „Gammastrahlen“ durch Rutherford.
Gammastrahlung wird in der Industrie z.B. zur Prüfung von Schweißnähten, zur Füllstandsmessung oder zur Sterilisation von Gegenständen und Produkten meist für die Medizin oder die Pharmazie verwendet. In der Medizin wird die Gammastrahlung für die Diagnostik und zum Teil noch für die Tumortherapie eingesetzt. Der Nachweis von Radionukliden erfolgt häufig über deren Gammastrahlung.
Beim Zerfall von Radionukliden im Erdboden entsteht auch Gamma-Strahlung, die zusammen mit der kosmischen Strahlung eine wesentliche Komponente der Strahleneinwirkung auf den Menschen ist.
- Einen ausführlichen Artikel, erschienen in der SSP Heft1/2025, über die Historie der Entdeckung der Gammastrahlung, ihre Herkunft, Entstehung, Eigenschaften, Wirkung, Nutzung, Messung, und Risiken wie auch Schutz davor finden Sie hier.
weitere interessante Informationen
- Beitrag von Dr. Thomas Kaden zur Gammastrahlung: Magazin „Im Kern“ des VKTA – Strahlenschutz, Analytik und Entsorgung Rossendorf e. V., S. 10"
- Beispiel für die Gammastrahlung in der Medizin
- Fund eines Heizkissens (März 2025)
- pro-physik.de: Strahlungen im Rampenlicht (26.06.2025)
Strahlung des Jahres 2024 - Lichtverschmutzung -
Strahlung des Jahres 2024, Gründe

Braunschweig, Nacht des 05.01.24
Wir leben in einer Welt, in der viele künstliche Lichtquellen im Freien, wie z. B. Straßenlaternen, Skybeamer, Stadionbeleuchtung oder großflächige Außenwerbung den natürlichen Nachthimmel zunehmend erhellen. Der Schutz vor „Lichtverschmutzung“ war bislang nur ein Randthema des historisch gewachsenen Strahlenschutzes.
Unser zukunftsorientierter Strahlenschutz sieht aber neben dem Schutz des Menschen auch den Schutz der Umwelt als sein Thema.

Hamburger Norden, am 8.12.2021
Der Fachverband für Strahlenschutz benennt deshalb die
Lichtverschmutzung als „Strahlung des Jahres 2024“,
um auf diese häufig übersehene Strahlungsproblematik aufmerksam zu machen.
Die Lichtverschmutzung ist untrennbar mit der Urbanisierung verbunden. Sie führt nicht nur zum Verblassen der Sterne am Himmel, sondern hat vielfältige Auswirkungen auf Menschen und die Natur. So führen vielerorts die Umrüstungen auf LED in Straßenbeleuchtungen zu überhöhten Lichtströmen mit einem hohem Blaulichtanteil, der in Wohnungen einstrahlt. Unnötige und falsch installierte bzw. konstruierte Leuchten sorgen aber auch im gewerblichen Bereich für künstliche Aufhellung der unmittelbaren Umgebung sowie Streuung und Reflektion an Wolken und Partikeln. Eine Vielzahl von physiologischen Prozessen wird dadurch beeinflusst. Der Schlaf-Wach-Rhythmus kann gestört, die Produktion des Hormons Melatonin verringert werden. Schlafmangel und weitere gesundheitlichen Beeinträchtigungen können die Folge sein.
Die Störung der nächtlichen Umwelt beeinflusst auch das Verhalten von Tieren. Zahlreiche Insekten, eine Hauptnahrungsquelle für Vögel, werden von künstlichem Licht angezogen und sterben oft beim Kontakt mit den Lichtquellen. Vögel kreisen um beleuchtete Bürotürme und verenden aufgrund von Erschöpfung und Glühwürmchen können sich nicht mehr fortpflanzen, da die Männchen die leuchtenden Weibchen nicht mehr sehen können.
Wie der World Atlas of Night Sky Brightness (https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.1600377) zeigt, ist die Lichtverschmutzung ein globales Problem. Insbesondere sind weite Teile Europas, Nordamerikas, des Nahen Ostens und Asiens davon betroffen.
Fragen zum Thema:
beantwortet Ihnen gern Prof. Dr. Hans-Dieter Reidenbach
Weitere interessante Informationen
- Wenn die Nacht zum Tag wird: Lichtverschmutzung - eine gesellschaftliche Herausforderung
(Gemeinsame Pressemitteilung des Fachverbandes für Strahlenschutz, der Deutschen Gesellschaft für Lichttechnik und Lichtgestaltung und der Vereinigung der Sternfreunde (Dezember 2024) - Lichtverschmutzung: Was Kunstlicht für das Leben im Meer bedeuten kann
(NDR Nachrichten Schleswig-Holstein; 17.11.2024)
Strahlung des Jahres 2023 - Röntgenstrahlung -

Von Deutsche Bundespost, Landgericht München (AZ 21 S 20861;gemeinfrei)
Im Februar 1923 starb ihr Entdecker Wilhelm Conrad Röntgen. Die Vergabe des Titels ist aber nicht nur ein symbolischer Akt anlässlich des 100. Todesjahrs. Die Röntgenstrahlung war die Strahlung, deren Wirkung schon in den ersten Jahrzehnten nach ihrer Entdeckung die Notwendigkeit erkennen ließ, sich vor dieser Strahlung zu schützen. Röntgenstrahlung ist bis heute die Form ionisierender Strahlung, die praktisch jeden erreicht und die vielfältige Anwendungen hat. Vom einfachen Röntgen beim Zahnarzt bis zur Computertomografie, bei der Patienten (wenn es medizinisch gerechtfertigt ist) eine Dosis erhalten können, die im Bereich beruflicher Grenzwerte liegt: kaum jemand möchte im Ernstfall auf das Wissen verzichten, das eine Röntgenaufnahme bringt.
Auch moderne Technik braucht vielfach Informationen aus dem Inneren von Geräten, Werkstoffe oder Verpackungen und mittels Röntgenfluoreszenz (RFA) wird die chemische Zusammensetzung von Stoffen einfach und schnell sichtbar.
weitere Informationen und interessante Links
- Wikipedia: Röntgen und Röntgenstrahlung
- Welt der Physik
- Röntgenmuseum Lennep
- Wilhelms Kurs „Blended-Learning-Angebot für Schulen“

