Standpunkt des Präsidenten

Unter einem Dach – Schutz vor Strahlung

Der Philosoph Carl Jaspers (1883 – 1969) sagte: „Der Mensch ist das, was er ist, durch die Sache, die er zu seiner macht.“

In diesem Sinne ist Strahlenschutz meine Sache. Gemäß der Satzung unseres Verbands ist es die Pflege und selbstlose Förderung des Schutzes gegen die schädlichen Wirkungen ionisierender und nichtionisierender Strahlen im Interesse der Allgemeinheit und des öffentlichen Gesundheitswesens als Aufgabe der Wissenschaft und Forschung.

Mein Ziel ist es, die erfolgreiche Arbeit meiner Vorgängerinnen und Vorgänger fortzusetzen. Unser Verband vermittelt Wissen über die Gefahren im Umgang mit ionisierender und nichtionisierender Strahlung und schafft damit eine Basis, Risiken einzuschätzen. Wir bieten daher auf unserer Website eine umfassende Informations- und Diskussionsplattform. Aktuelle Erkenntnisse über die Wirkung von Strahlen fließen in unsere Diskussionen über den praktischen Strahlenschutz ein. Wir sind für dringende Fragen ansprechbar und vernetzen auch gerne weiter. Für den kleinen Wissenshunger zwischendurch bieten wir mit dem „StrahlenschutzKOMPAKT“ kleine Wissenshäppchen, kurz, knapp und gehaltvoll, wie ein „Energieriegel“. Als Appetizer gedacht, denn natürlich bieten sich die wahren Freuden üppiger geistiger Nahrung erst durch den intensiven fachlichen Austausch in unseren Arbeitskreisen.

Strahlenschutz erfordert Grundwissen über die Entstehung und Wirkung der Strahlung. Für hohe Strahlendosen ionisierender Strahlung größer als 100 mSv liegen Daten vor, die es ermöglichen, Nutzen und Schaden abzuwägen. Bei niedrigeren Dosen beginnt die Diskussion. Bei welcher Mindestdosis lässt sich ein signifikanter Einfluss feststellen, der zu  Krebs, der zur Veränderung des Erbguts führt? Lässt sich zwischen der Strahlenwirkung aufgrund natürlicher radioaktiver Stoffe und den von Menschen produzierten radioaktiven Stoffen unterscheiden? Lässt sich das pauschal statistisch ableiten? Wie hoch darf die Exposition mit UV-Strahlung oder mit Röntgenstrahlung sein, um von harmlos sprechen zu können? Wie sicher sind die heutigen Erkenntnisse? Wie wird eine mögliche individuelle Strahlenempfindlichkeit bedacht?

Wir arbeiten mit Modellen zur Berechnung einer effektiven Dosis, wenn eine Messung nicht möglich ist. Risiken werden daraus abgeleitet und danach Richtwerte festgelegt. Es gibt durchaus kontroverse Expertenmeinungen. Die Bürgerinnen und Bürger bilden sich ein Urteil, die Politik fällt Entscheidungen.

Fokussiert auf den Strahlenschutz bringen wir uns als Verband im Vorfeld solcher Entscheidungen ein. Es sind wissenschaftliche Abhandlungen mit Messungen und statistischen Erhebungen, die uns zu einem Urteil kommen lassen: „unbedenklich“ oder „bedenklich“. Es gibt aber darüber hinausgehende Gefahrenbewertungen im  gesellschaftlichen Kontext, die nicht nur die fachliche Einschätzung widerspiegeln. Der Ausstieg aus der Nutzung von Kernenergie ist das Ergebnis von Risikoeinschätzungen verbunden mit solchen gesellschaftlichen Bewertungen. Genauso auch die Entscheidung, die radioaktiven Abfälle aus dem bisherigen Lagerungsort, im ehemaligen Bergwerk Asse, auf die Erdoberfläche zu holen und in Zwischenlagern solange aufzubewahren, bis ein Endlager gefunden wird.

Es gibt weiterhin eine Vielzahl von aktuellen Fragestellungen, die in den Arbeitskreisen bearbeitet werden, aus der Praxis für den Schutz in der Praxis. Für Ihre direkte Frage und eine rasche Beantwortung nehmen wir uns gerne Zeit, denn Wissensvermittlung steht bei uns an oberster Stelle und neue engagierte Mitglieder sind stets willkommen.

Sprechen Sie uns an! Bleiben wir im Gespräch!

Unser Verband ist das, was er ist, weil wir uns den Strahlenschutz  im Sinne von Carl Jaspers zu unserer eigenen Sache gemacht haben.

Ihr Thomas Steinkopff