Standpunkt des Präsidenten

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

das Schwerpunktthema „Wellen-Strahlung-Felder“ der Jahrestagung 2018 unseres Fachverbandes für Strahlenschutz bietet eine breite Plattform zum fachlichen Austausch über die technischen Grundlagen und die Anforderungen zum Schutz vor der Wirkung nichtionisierender Strahlung. Ein Blick auf das elektromagnetische Spektrum erlaubt Zuordnungen zu den technisch genutzten und den unabänderlichen Quellen ionisierender und nichtionisierender Strahlung.

Zum Schutz vor ionisierender Strahlung wurde ein umfassendes komplexes Regelwerk geschaffen. Es ist dynamisch und wurde im Lauf der Jahre den wachsenden wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst.

Zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung wurden seitens des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) Empfehlungen ausgesprochen, es wurden Grenzwerte definiert, Verordnungen erlassen, DIN EN Vorschriften verfasst und durch unseren Fachverband für Strahlenschutz detaillierte Leitfäden erstellt.  Der FS sah und sieht sich hier als unabhängiger Verband von Experten, die Seite an Seite mit den Behörden, besonders mit dem BfS und dem BMU, die Optimierung im Strahlenschutz im Blick haben.

Ich begrüße es sehr, dass wir im Fachverband diesem Thema 7 Jahre nach der Jahrestagung in Dortmund wieder mit einer Jahrestagung Raum bieten. Die Tagungsinhalte als Schwerpunktthema in dieser Ausgabe der StrahlenschutzPRAXIS darzustellen eröffnen zudem allen Mitgliedern im Fachverband die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren. Ein Blick über den Tellerrand des eigenen Fachgebiets, aber immer noch im gleichen Grundthema „Strahlenschutz“. Ein breiter Konsens zur Formulierung von Schutzzielen ist angestrebt. So erklärt sich die gemeinsame Ausrichtung der Jahrestagung mit dem Österreichischen Verband für Strahlenschutz (ÖVS) und der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) und die Wahl des Tagungsorts im Tagungszentrum der  Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Mit Gründung des AKNIR im FS wurde eine sehr rührige Expertenrunde mit unserem Kollegen Professor Hans Dieter Reidenbach als Sekretär geschaffen, die bereits eine Reihe von Leitfäden zu den Themen Sonnenstrahlung, Laserstrahlung, UV-Strahlung künstlicher Quellen, sichtbare und infrarote Strahlung erarbeitet hat.

International greift die „International Commission for Non Ionizing Radiation Protection (ICNIRP)“ die Themen auf, gegründet 1992 von der „International Radiation Protection Association (IRPA)“, als unabhängige internationale Kommission.

Die Sensibilität der Öffentlichkeit gegenüber möglicher Gefahren durch die Wirkung von optischer Strahlung insbesondere UV-Strahlung und Laserstrahlung, elektromagnetischer Felder und Funkfrequenzen ist nach wie vor hoch, wenn gleich Empfehlungen des BfS veröffentlicht und zum Beispiel auch umfassende Leitlinien des FS verfügbar sind. Öffentlichkeitsarbeit bleibt ein zentrales Anliegen.

„Wellen-Strahlung-Felder“ sind im Alltag allgegenwärtig. Die Nutzung ist elementar für das Funktionieren unserer Gesellschaft. Bei der Strahlung, die wir als Menschen selbst verursachen, werden Nutzen und Schaden für die Gesellschaft gegenübergestellt, um die Risiken abzuschätzen.

Es gibt aber auch Strahlungsquellen, auf die wir keinen Einfluss haben, zum Beispiel die kosmische Strahlung oder aber Sonneneruptionen. So störte beispielsweise 2003 ein geomagnetischer Sturm die GPS-Signale. Flugzeuge konnten sich nicht mehr darauf verlassen. Das sogenannte „carrington event“, eine starke Sonneneruption aus dem Jahr 1859, führte dazu, dass Telegrafennetze Funken sprühten, Nordlichter waren in Kuba, Jamaika und auf Hawaii zu beobachten. Mit dem Ziel den Flugverkehr frühzeitig zu warnen, steht die Sonnenoberfläche unter Beobachtung, um die Wahrscheinlichkeit starker Sonneneruptionen vorherzusagen.  Damit wird  „Weltraumwetter“ zum Thema(https://www.swpc.noaa.gov/homepage).

Der Strahlenschutz wird sich noch breiter aufstellen müssen. Gemeinsame Ziele sind Aufklärung von Wirkmechanismen, Arbeitsschutz, Information der Bevölkerung, Bevölkerungsschutz, Individualrisiko und operationelle Verfahren zum Erkennen von Notsituationen und Gegensteuerung.

Mit diesem Schwerpunktthema bieten wir eine Plattform zur Diskussion aktueller Erkenntnisse und anstehender Ziele im Schutz vor nichtionisierender Strahlung.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich bitte Sie herzlich, sich an diesen Diskussionen zu beteiligen im Verband, in Ihrem privaten und in Ihrem beruflichen Umfeld. Bringen Sie sich mit Ihren Erfahrungen und Ihrem Wissen ein!

Spannende Lektüre wünscht Ihnen

Ihr Thomas Steinkopff