FS zum Beschluss des Deutschen Ärztetages bzgl. Freigabe nach § 29 StrlSchV

Der Fachverband für Strahlenschutz hat die Ablehnung von §-29-Freigaben durch den Ärztetag kritisiert. Auch die Bundesärztekammer wertet die Ablehnung als wissenschaftlich nicht haltbar.

Veranlassung der FS-Stellungnahme:

Der 120. Deutsche Ärztetag hat im Mai 2017 einen Beschluss „Keine Freigabe gering radioaktiven Atommülls“ gefasst, der sich gegen das auf Basis des internationalen Stands von Wissenschaft und Technik etablierte und gesetzlich verankerte Konzept einer de minimis-Dosis im Bereich von etwa 10 mikroSievert pro Jahr ausspricht und fordert, das darauf basierende behördliche Freigabeverfahren zur Entlassung von Stoffen aus dem Strahlenschutzrecht abzuschaffen. Der Beschluss kritisiert, durch Freigabe zur Verwertung oder Entsorgung „werde die Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten völlig unnötig und vermeidbar zusätzlichen Strahlenbelastungen ausgesetzt“. Die freigebbaren Stoffe sollten vielmehr - wie von den Internationalen Ärzten für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) vorgeschlagen - dauerhaft auf den Betriebsgeländen verwahrt werden. Zur Begründung wird angeführt, dass es „keine Schwellenwerte für die Unbedenklichkeit von ionisierender Strahlung“ gäbe und auch durch „vermeintlich geringe Strahlenmengen gesundheitliche Schäden und Spätfolgen über Generationen“ entstehen könnten.

Der Beschluss ist aus Sicht des FS fachlich unbegründet. Das de minimis-Konzept einer unerheb­lichen und vernachlässigbaren effektiven Dosis im Bereich von etwa 10 mikroSievert pro Jahr ist das Ergebnis jahrzehntelanger epidemiologischer und strahlenbiologischer Forschung. Bereits die natürliche Strahlenexposition liegt in Deutschland zwischen etwa 1.000 und 4.000 mikroSievert pro Jahr. Zusätzliche Dosisbeiträge im Bereich von etwa 10 mikroSievert ergeben sich z.B. bereits durch einen Flug auf die kanarischen Inseln oder einen einwöchigen Skiurlaub in den Alpen. Auch einfache Röntgenaufnahmen verursachen Dosiswerte von einigen 10 bis 100 mikroSievert, CT-Unter­suchun­gen sogar bis zu 10.000 mikroSievert.

Auch die Bundesärztekammer hat nun eingesehen, dass eine 10-µSv-Dosis vollkommen ungefährlich ist. Sie distanzierte sich in einem Schreiben an das Bundesumweltministerium inzwischen von dem Statement des Ärztekongresses.

 

Hier die gesamte Stellungnahme des Fachverbandes.