Organisation des Strahlenschutzes – eine Herausforderung

Resümee:

Die Vielfalt der Organisationsformen im Strahlenschutz ist groß. Die Beiträge zeigen eindrucksvoll, wie komplex sie im Einzelnen sein können. Bei der Gestaltung ist nicht nur die innere Effektivität einer Organisation, sondern auch ihre äußere, z.B. in Bezug auf die Kommunikation mit Behörden und ggf. mit der Öffentlichkeit ein Ziel. Insgesamt eine echte Herausforderung. Gelingt das Gesamtkonzept aber, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die gesetzte Organisation gut funktioniert, groß.

Die Basis für die Vielfalt liefert die Gesetzgebung, so wie sie in Grundzügen für Deutschland von Susanne Severitt, et al (Ausschuss „Strahlenschutz bei Anlagen“ der Strahlenschutzkommission) und für Österreich von Johannes Neuwirth et al (Seibersdorf Labor GmbH) in den ersten beiden Beiträgen dargestellt werden. Ein Vergleich der rechtlichen Vorgaben zu den agierenden Personen (Strahlenschutzbeauftragter, Bewilligungsinhaber, Strahlenschutzverantwortlicher) zeigt, dass die Unterschiede D/A gar nicht so groß sind.

Unsere Österreichischen Kollegen geben auch einen Einblick in die Komplexität der Umsetzung, wenn viele verschiedene Anwendungen ionisierender Strahlung in verschiedene Arbeitsabläufe eingebaut werden. Dabei ist es wichtig, nicht nur den Strahlenschutz zu betrachten, sondern auch über den Tellerrand hinauszuschauen. Die Schnittstellen im Zusammenspiel mit anderen Bereichen der betrieblichen Sicherheit wie z.B. dem Brandschutz, Arbeitsschutz, Gefahrstoffe, etc. sind zu bedienen.

Das gilt nicht nur in Österreich. In dem gemeinsamen Beitrag „Organisation des Strahlenschutzes in der Forschung“ wird dies von Almut Geisler (HZM), Sabine Kiermaier (LfU) und Sandra Morawitz von der TU München bestätigt. Sie berichten weiterhin vom Zusammenspiel eines zentralen und eines dezentralen Strahlenschutzes. Dabei ist nicht nur die Definition der Schnittstellen zentral/dezentral sowie mit anderen Sicherheitsthemen schwierig. Der Kampf um ausreichende Zeit für die Wahrnehmung der Aufgaben im Strahlenschutz stellt ebenfalls immer wieder eine Herausforderung dar.

Ein konkretes Beispiel für das Zusammenwirken von und die Aufgabenaufteilung zwischen zentralem und dezentralem Strahlenschutz wird von Marcus Sowa et al im Beitrag „Der zentrale Strahlenschutz bei thyssenkrupp Steel Europe“ vorgestellt. 170 Strahlenschutzbeauftragte in 5 Niederlassungen mit einer Vielzahl von Anwendungen werden vom zentralen Strahlenschutz, der von einem Strahlenschutzbevollmächtigten geleitet wird, betreut. Über 200 strahlenschutzrelevante Schriftstücke wurden allein 2019 von der Zentrale an die Behörde versandt, um die Vorgänge in der Produktion flexibel zu halten. Dem steht der Forschungsstandort Rossendorf nicht nach. In dem Beitrag „Die Strahlenschutzorganisation des Forschungsstandortes Rossendorf: 83 Herausforderungen – ein Ziel“ werden von Marcus Schlösser et al ebenfalls eine Vielzahl von Anwendungen aufgeführt, allerdings mit der Hauptzielrichtung „Forschung“. Eine weitere organisatorische Herausforderung ist hier das Zusammenspiel zweier Organisationen an einem Standort. Gegenseitiges Vertrauen und Zuverlässigkeit sind daher besonders wichtig.

Insbesondere im medizinischen Bereich kommen die Aspekte „häufig mehr als zwei Nutzer einer Anlage“ und „Patientenschutz“ hinzu. Letzteres ruft einen weiteren Akteur, den Medizinphysik-Experten, auf den Plan. Am Beispiel von Kliniken, deren Struktur und Organisation auch ohne den Strahlenschutz in der Regel recht kompliziert ist, werden von Gerd Koletzko (LPS), Jenny Kloska (HDT) und Jens Dischinger (Norddeutsches Seminar für Strahlenschutz) in ihrem Beitrag „Organisation des Strahlenschutzes in der Röntgendiagnostik – …“ die grundlegende Vorgehensweise aber auch die Probleme bei der Umsetzung aufgezeigt.

Jeder Strahlenschützer weiß: Mit der Durchführung des Strahlenschutzes sind die Erhebung und die Verwaltung einer Menge von Daten verbunden. Henri Graffunder und Vater und Sohn Tachlinski beschreiben unter der Überschrift „Software-Unterstützung im operativen Strahlenschutz“ eine Möglichkeit DV-technisch dem Ganzen Herr zu werden und schildern ihre diesbezüglichen Erfahrungen. Dabei beschert einem nicht zuletzt die EU-Datenschutzgrundverordnung Stolpersteine, die es gilt zu überwinden.

Und dann gibt es da noch die anderen internen/externen Sicherheitsdisziplinen (Brandschutz/Feuerwehr, Sicherheitstechnik/Polizei, …). Gibt es gemeinsame Einsätze, so ist da noch einmal eine weitere Herausforderung. Andrew Karam fokussiert uns in seinem Forumsbeitrag „An American Perspective“ auf diesen Punkt. An Hand von Beispielen einiger Szenarien zu Einsätzen verschiedener Sicherheitsdisziplinen kommt es letztendlich auf die Klärung einer grundlegenden Frage an: Wie hoch ist das Risiko in Relation zu den anderen zu berücksichtigenden Sicherheitsaspekten?

Fazit:

Es gibt nicht DIE Organisation des Strahlenschutzes. Auf die Umstände kommt es an. Der Strahlenschutzverantwortliche/Bewilligungsinhaber ist dafür verantwortlich, eine auf seinen Betrieb und seine Anwendungen zugeschnittene Organisation des Strahlenschutzes zu schaffen – eine anspruchsvolle Aufgabe, deren gute Umsetzung grundlegend für einen guten Strahlenschutz ist.

Susanne Severitt