Standpunkt des Präsidenten

Der Präsident des FS, Christophe Murith, interviewte die bisherige Präsidentin der IRPA, Renate Czarwinski, und den neuen Vertreter des FS im IRPA-Exekutivrat, Klaus Henrichs zum Thema "Der FS und die IRPA"

Christophe Murith: Liebe Renate, lieber Klaus, wie schätzt ihr die Bedeutung der IRPA für den FS ein, und welche Bedeutung hat der FS für die IRPA?

Renate Czarwinski: Der Fachverband für Strahlenschutz für Deutschland und die Schweiz ist seit der Gründung der IRPA untrennbar mit ihren Aktivitäten verbunden, was sich z.B. in der über 50 Jahre andauernden lückenlosen Mitarbeit bzw. Vertretung von FS-Mitgliedern aus Deutschland und der Schweiz im IRPA-Board und im IRPA-Exekutivrat zeigt, z.B. als Schatzmeister, als Vizepräsident und als Präsident der IRPA. Die IRPA hat mit heutigem Stand 52 nationale und regionale Mitgliedsgesellschaften, welche Strahlenschutzexperten aus 67 Ländern repräsentieren, und der FS ist als eine der fünf größten Gesellschaften ein festes Standbein der IRPA. Somit haben die deutschen und schweizerischen Strahlenschützer eine gewichtige Stimme in der internationalen Diskussion zum Strahlenschutzsystem oder auch zu Einzelaspekten des Strahlenschutzes wie z.B. nach Notfallsituationen. Die Kompetenz und das Engagement des FS werden auf internationaler Ebene hochgeschätzt.

Klaus Henrichs: Für mich steht im Vordergrund, dass die IRPA als weltweite Dachorganisation den nationalen Strahlenschutzverbänden und damit dem FS bei ihrer Arbeit helfen kann. Es können über die IRPA Synergien genutzt und Erfahrungen ausgetauscht werden. Beispielsweise verfügen einige Gesellschaften über hervorragendes Material zur Schulung oder zur Kommunikation bzgl. der Öffentlichkeit. Eine gemeinsame Plattform für den Austausch bietet das IRPA-Web bereits. Dazu gehört auch die Chance, mit Hilfe der IRPA unser Nachwuchsförderprogramm weiter zu entwickeln, z.B. durch Austauschprogramme und ähnliches. Neben diesem Nutzen für die Mitgliedsgesellschaften kann die IRPA durch die in ihr konzentrierte Fachkompetenz einen - allerdings begrenzten - Einfluss auf die Rahmenbedingungen nehmen, unter denen wir Strahlenschutz betreiben. Als Stimme der Praktiker findet sie zunehmend Gehör bei wichtigen maßgeblichen Organisationen. Über die Bedeutung des FS für die IRPA brauche ich der Antwort von Renate nichts mehr hinzuzufügen.

 

Christophe Murith: Wie hast du, Renate, „IRPA gelebt“, womit warst Du zufrieden und womit nicht?

Renate Czarwinski: Die Präsidentschaft der IRPA war für mich eine große Herausforderung, die ich gern angenommen habe. Ich war und bin dankbar für das entgegengebrachte Vertrauen. Ich habe die Aktivitäten der IRPA mit viel Freude geleitet, obwohl etliche Ressourcenhürden zu nehmen waren. Da es für mich ein sogenannter „Moonlight Job“ war, musste ich auch das Management in der bisherigen Leitung der IRPA etwas umstellen. Um die Repräsentanz der IRPA in vielen Veranstaltungen zu gewährleisten, habe ich die Mitglieder des Exekutivrates intensiver mit Aufgaben und Projekten wie z.B. der Strahlenschutzkultur in der Medizin, betraut. Die internationale Sichtbarkeit und Anerkennung sowie die Zusammenarbeit mit anderen internationalen, für den Strahlenschutz relevanten Organisationen konnten deutlich verstärkt werden. Die IRPA hat als NGO in diesen Organisationen jetzt eine Stimme und ist geforderter Partner in Strahlenschutzfragen.

 

Christophe Murith: Was sind für dich, Klaus, als neugewähltes Mitglied im IRPA-EC, die wesentlichen Herausforderungen und was sind deine Hoffnungen?

Klaus Henrichs: Um mit der Hoffnung zu beginnen: Ich wünsche mir, dass die IRPA im von Renate erwähnten Sinne noch mehr Gehör findet bei den maßgeblichen Organisationen wie der IAEA. Praktische Herausforderungen für die IRPA sind vor allem erst einmal die gleichen, die auch für uns und für die anderen nationalen Verbände gelten: Die Wirksamkeit unserer Arbeit hängt von der Präsenz und der Sichtbarkeit der IRPA-Vertreter ab, und die dafür erforderlichen Ressourcen sind naturgemäß begrenzt. Hier brauchen wir verstärkt die Zuarbeit und Beteiligung der nationalen Verbände, die allerdings auch ihrerseits entsprechenden Einschränkungen unterliegen. Wichtig erscheint mir auch, dass es die IRPA schafft, sich auf dem Feld des Strahlenschutzes in der Medizin noch mehr einzubringen. Dieser Prozess hat ebenso wie für den FS gerade erst begonnen und erfordert erhebliche Anstrengungen und Überzeugungskraft.

 

Christophe Murith: Wie empfandst Du, liebe Renate, aus deiner Sicht als IRPA-Präsidentin das Engagement des FS in der IRPA?

Renate Czarwinski: Der FS hat die Initiative ergriffen, eine Kooperation der europäischen IRPA-Mitgliedsgesellschaften zu gründen und zu festigen. Das war sehr positiv. Die Stärkung dieser Kooperation in fachlicher und gesellschaftlicher Hinsicht zur Unterstützung der IRPA-Aktivitäten ist z.B. ein Punkt, den ich durch meine Arbeit im Direktorium des FS als persönliche Zielstellung in den kommenden Jahren besonders fortführen möchte. Ich sehe im Engagement der Strahlenschutzgesellschaften bei der Erarbeitung von internationalen Strahlenschutzstandards und in der effektiven Umsetzung des „System of Protection“ eine Herausforderung für die nahe Zukunft. Dies konnte während meiner Präsidentschaft aus Kapazitätsgründen seitens der IRPA wie auch seitens des FS nur für wenige Standards durchgeführt werden. Die Übernahme der Leitung von und der Mitarbeit in Ad-hoc-Arbeitsgruppen für Themen der IRPA durch den FS konnte auch aus diesen Gründen nicht realisiert werden.

 

Christophe Murith: Lieber Klaus, wie möchtest du das Zusammenwirken von FS und IRPA einerseits als FS-Geschäftsführer und andererseits als IRPA-EC-Mitglied organisieren?

Klaus Henrichs: Im gleichen Maße, wie wir uns Unterstützung für die FS-Arbeit durch IRPA wünschen, müssen wir durch inhaltliche Zuarbeit unsererseits IRPA unterstützen. Dies erfordert die Beteiligung der Arbeitskreise an Stellungnahmen für international aktuelle Themen und Bereitstellung von Materialien, die wir im Austausch für die angesprochenen Hilfsmittel anbieten können.

 

Christophe Murith: Liebe Renate, lieber Klaus, ich danke euch für die Beantwortung meiner Fragen. Ich wünsche euch viel Kraft und Erfolg für die zukünftige Tätigkeit in den jeweiligen Funktionen, in die ihr im FS und in der IRPA gewählt worden seid.