Standpunkt des Präsidenten

Und wenn das in Deutschland oder in der Schweiz passieren würde ...

In Deutschland wie in der Schweiz sind strahlungsbedingte Notfälle, bei denen eine medizinische Versorgung erforderlich ist, zum Glück sehr selten. Dieser positive Sachverhalt ist zweifellos das Resultat der Sensibilisierungs- und Ausbildungsmaßnahmen im Zusammenhang mit den Risiken des Umgangs mit radioaktiven Strahlenquellen im Nuklearsektor, in der Medizin und in der Industrie. Die Gefahr liegt allerdings darin, dass man denkt, man sei vor Unfällen mit hohen Expositionen geschützt, wie sie z.B. bei der industriellen Gammagraphie in Lateinamerika vorkamen. Es wäre daher falsch, den Erhalt der Kompetenzen zur medizinischen Betreuung hoch exponierter Personen zu vernachlässigen, indem die Mittel reduziert würden, die zur Erfüllung dieser Pflicht erforderlich sind. Die Vorbereitung für diese Aufgabe ist in den Internationalen Gesundheitsvorschriften (http://www.who.int/ihr/) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geregelt, denen auch die Deutsche und die Schweizer Regierung zugestimmt hat. Das Reglement betrifft den nationalen Notfallplan unter dem Blickwinkel der Globalen Gesundheit.

In diesem Rahmen nimmt das REMPAN-Netzwerk für die Vorbereitung und die medizinische Hilfe bei radiologischen Notfällen (http://www.who.int/ionizing_radiation/a_e/rempan/en/) eine wichtige Stellung ein. Die Klinik für Nuklearmedizin der Universität Würzburg und die Abteilung Strahlenschutz des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) sind als Kooperationszentren der WHO daran beteiligt. Sie haben daher am 15. REMPAN-Meeting in Genf teilgenommen, das von der WHO und dem BAG vom 3. bis 5. Juli 2017 gemeinsam organisiert worden war. Über hundert Teilnehmer hatten dabei die Gelegenheit, sich über die Situation in Fukushima, die Expositionen der Schilddrüse, das langfristige Beobachten der Bevölkerung, die der Strahlung ausgesetzt war, die Evaluation des Umgangs mit der internen Strahlenexposition, die nichtradiologischen Auswirkungen und die Risikokommunikation zu informieren und auszutauschen.

Deutschland und Frankreich haben eine Struktur zur medizinischen Versorgung von Strahlenopfern eingerichtet. Sie profitieren dabei von den Erfahrungen, die sie bei ihren Hilfsmissionen gesammelt haben. Für ein kleines Land wie die Schweiz sind diese Kapazitäten sehr viel beschränkter, daher ist die Arbeit in einem Netzwerk, in dem jedes Land von der internationalen Erfahrung und Unterstützung profitieren kann, eine echte Chance.