CASTOR-Transport auf dem Neckar

Der Sekretär des AK Beförderung Dr. Jan van Aarle: "Transporte von abgebrannten Brennelementen auf Flüssen sind für Deutschland neu. In einigen Ländern Europas finden solche Transporte jedoch seit Jahren regelmäßig statt."

Quelle: EnBW

Am 28. Juni 2017 wurden drei Behälter vom Typ CASTOR® 440/84 mvK mit abgebrannten Brennelementen vom Kernkraftwerk Obrigheim zum Zwischenlager am Kernkraftwerk Neckarwestheim transportiert. Die Transportgenehmigung für diese Verlagerung wurde am 16. Mai 2017 durch das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) erteilt. Die Nachricht, dass erstmals ein Transport mit abgebrannten Brennelementen auf einem Binnengewässer genehmigt und durchgeführt wurde, hat in den Medien für einiges Aufsehen gesorgt. Transporte von abgebrannten Brennelementen auf Flüssen sind für Deutschland neu. In einigen Ländern Europas (z.B. Bulgarien, Rumänien, Russland) finden solche Transporte jedoch seit Jahren regelmäßig statt.

Bei einem Teil der Berichterstattung wurde auf die Gefahren einer radiologischen Wasserverschmutzung bei Verlust der Transportbehälter und die Frage nach dem Risiko einer erhöhten Strahlenbelastung für Personen der Bevölkerung durch den radioaktiven Inhalt der Transportbehälter hingewiesen.

Die Prüf- und Zulassungsforderungen an die verwendeten Transportbehälter folgen aus der Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB) und gelten für Straße, Schiene und Binnengewässer gleichermaßen. Somit wird bei Transporten mit einem Binnenschiff das gleiche Sicherheitsniveau eingehalten wie bei Transporten auf Straße oder Schiene. Für Transporte von gefährlichen Gütern mit Binnenschiffen sind allerdings zusätzlich spezielle Anforderungen im Europäischen Übereinkommen über die Beförderung gefährlicher Güter auf Binnenwasserstraßen (ADN) festgelegt. So müssen z.B. doppelwandige Schiffe eingesetzt werden, d.h. sie müssen über eine komplette zweite Außenwand verfügen. Aufgrund der hohen Prüfanforderungen an die Transportbehälter ist bei einem Unfall die Wahrscheinlichkeit für eine Freisetzung des radioaktiven Inhalts generell äußerst gering. Bei einem Transport auf dem Wasser wäre dies mit noch geringeren Folgen als bei anderen Verkehrsträgern verbunden, da hierbei geringere dynamische Kräfte wirken.

Das für die Atomaufsicht in Baden-Württemberg zuständige Umweltministerium hat eine positive Bilanz des ersten Castortransports auf dem Neckar gezogen. Der Baden-Württembergische Umweltminister bestätigte nach dem Transport: „Von der Verladung bis zur Entladung haben wir die Castoren begleitet und die Arbeitsprozesse überwacht. Fazit: Unsere Kontrollen blieben ohne Beanstandungen, die am Ufer und auf dem Schiff durchgeführten Messungen der Strahlenexposition durch die Castoren lagen durchweg in einem sehr, sehr niedrigen Bereich.“

Die Höhe der von den Transportbehältern ausgehenden Strahlung ist unabhängig vom Verkehrsträger. Generell werden im Abstand von wenigen Metern von den Transportbehältern praktisch nur noch Dosisleistungswerte gemessen, die der natürlichen Untergrundstrahlung entsprechen. Personen der Bevölkerung sind daher bei allen Verkehrsträgern, aufgrund ihres vergleichsweise großen Abstandes zu den Transportbehältern keiner erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt. 

Das Personal, das dem Umschlag und den Transport durchführt, ist aufgrund seines dabei notwendigerweise geringen Abstandes einer etwas höheren Strahlung ausgesetzt. Auch Demonstranten, die sich bei ihren üblichen Aktionen unnötig in die Nähe der Transportbehälter begeben, verursachen für sich und die notwendigen Polizeikräfte eine zwar immer noch sehr geringe Strahlenexposition, die aber höher ist als für die Normalbevölkerung.